13.05.2026: LH Dresden und buergerservice.org veranstalten eID-Roadshow für die Mitarbeitenden in den Bürgerämtern der EUDI-Wallet-Pilotkommune LH Dresden.

Im Rahmen der mehrstündigen Veranstaltung haben die Teilnehmenden aus den Bürgerämtern in Theorie und Praxis das Themenfeld Online-Ausweisen (eID) und den Bezug zur EUDI-Wallet kennengelernt.

18.05.2026

Foto: buergerservice.org e.V.

Die EUDI-Wallet ist in Fachkreisen in aller Munde. Der Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, Dr. Karsten Wildberger, hat die Wallet in einer ersten Stufe zum 2. Januar 2027 für die Bürgerinnen und Bürger angekündigt. Fragt man im eigenen privaten Umfeld danach, ob man schon von der EUDI-Wallet gehört hat, so wird diese Frage nahezu ausnahmslos mit Nein beantwortet. Dabei erfordert diese Wallet eine besondere Vorbereitung in der Bevölkerung. Es handelt sich nämlich nicht um eine App wie Pokemon Go, welche sich spontan und in Windeseile viral verbreiten kann, stattdessen handelt es sich um eine neuartige sichere Dimension des Internet auf dem eigenen Smartphone. Die neuartigen digitalen Self-Services werden vielen Bürgerinnen und Bürgern sehr gut gefallen. Allerdings müssen im ersten Moment auch neuartige Hürden überwunden werden. Die EUDI-Wallet-Pilotkommune LH Dresden und buergerservice.org haben am 13. Mai 2026 mit einer eID-Roadshow begonnen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bürgerämter in Dresden auf das Überwinden dieser Hürden in der Bevölkerung vorzubereiten. Damit hat Dresden bereits acht Monate vor dem Erscheinen der EUDI-Wallet Aktivitäten gestartet, welche auch in einem Bericht der Zeitschrift Behörden Spiegel genannt werden. Die Zeitschrift schreibt in Bezug auf die EUDI-Wallet auf Seite 26 der Ausgabe vom Mai 2026: “Auf die Kommunen kommt es an .... Vom Bürgermeister bis zu den Mitarbeitenden in der Verwaltung müssen alle Akteure frühzeitig sensibilisiert und eingebunden werden ....” .

Die Hürden für die Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg zur eigenen EUDI-Wallet-Nutzung.

  • “Das Online-Ausweisen nutzt ja niemand”
    Damit die EUDI-Wallet uneingeschränkt für nahezu alle Geschäftsprozesse im behördlichen und privatwirtschaftlichen Bereich genutzt werden kann, wird sie mit dem Vertrauensniveau hoch arbeiten. Hierzu ist es erforderlich, dass die Bürgerinnen und Bürger ihren Personalausweis mit der Online-Ausweisfunktion (eID) für das Onboarding der EUDI-Wallet nutzen. Der Online-Ausweis ist das einzige System, welches die erforderliche Sicherheit (Vertrauensniveau hoch) zu einer eindeutigen Identität von Personen in Deutschland vollständig digital gewährleisten kann. Deutschland hat damit weltweit eines der besten Systeme für die digitale Identität “Made in Germany” für die Bürgerinnen und Bürger geschaffen. Bisher wurde es jedoch versäumt, die Bevölkerung in Bezug auf das Online-Ausweisen (eID) aufzuklären. Hieraus hat sich die weit verbreitete Aussage etabliert: “das Online-Ausweisen nutzt ja niemand”. Mit dieser Aussage schwingt unweigerlich mit, dass das Online Ausweisen irgendetwas schlechtes an sich hat und man sich am besten gar nicht damit auseinandersetzt. Obwohl die Aussage zunächst richtig erscheint, so ist sie trotzdem fehl am Platz. Die korrekte Aussage lautet: “das Online-Ausweisen kennt ja niemand”. So wird die Ursache der ersten Hürde offenkundig. Mit dieser Erkenntnis können mit Marketing- und Aufklärungs-Aktivitäten die passenden Maßnahmen zur Beseitigung dieser Hürde getroffen werden.

  • ”Deutschland sucht die Perso-PIN”
    So titelt die F.A.Z. eine Berichterstattung im April 2026. Und tatsächlich erkennt auch buergerservice.org in den eID-Roadshows und auf Messen und Kongressen sehr deutlich die Herausforderung an diesem Punkt: die PIN zum eigenen Personalausweis kann zwar jeder Ausweisinhaber mit dem PIN-Brief zum Personalausweis selbst setzen, jedoch finden die meisten Menschen diesen Brief nicht mehr. Hinzu kommen Personen, welche bereits eine PIN im Ausweis einmal selbst gesetzt haben, diese zwischenzeitlich vergessen haben. Eine PIN im Personalausweis neu zu setzen bedeutet zwangsweise eine Identitätsfeststellung für diesen Vorgang. Niemand kann auch nur das kleinste Risiko akzeptieren, mit welchem sich fremde Personen eine PIN zu einem Personalausweis verschaffen können. Da der Online-Ausweis aufgrund der fehlenden PIN nicht genutzt werden kann, fehlt die einzige digitale Möglichkeit. Deshalb muss mit dem Neusetzen der PIN im Personalausweis eine analoge Identitätsfeststellung durch entsprechende hoheitliche Aufgabenträger erfolgen. Es handelt sich hierbei um Mitarbeitende im Bürgeramt bei einem vor Ort-Termin oder um Postbeamtinnen oder Postbeamte beim PIN-Rücksetz- und Aktivierungsdienst an der Haustüre (voraussichtlich ab dem 3. o. 4. Quartal 2026 wieder verfügbar). Unsere Mitmenschen benötigen derartige Informationen, damit sie die besondere Bedeutung der PIN zu ihrem Personalausweis verstehen.

  • Eigenverantwortliches Handeln mit Konsequenzen
    Beim Online-Shopping ist es für die Menschen mittlerweile selbstverständlich: wenn man sich “vertan” hat, wird der Retoure-Aufkleber genutzt. Alles ist “easy to use” ausgelegt. Konsequenzen sind üblicherweise nicht vorgesehen. Mit der neuen Dimension der EUDI-Wallet erreicht man hochwertige digitale Services und “unterschreibt” dafür in rechtsgültiger digitaler Variante. Man wird hochwertige Güter wie z.B. Autos für mehrere zehntausend Euro rechtsgültig kaufen können. Diese Käufe werden keinen Retoure-Aufkleber vorsehen. Auch hierzu bedarf es Aufklärung für die Bürgerinnen und Bürger, damit die neue Eigenverantwortung verstanden wird.

Werkzeuge und Vorgehensmodell zum Beseitigen der Hürden.

Foto: buergerservice.org e.V.
  • Die Mitarbeitenden in den Bürgerämter sollten vom Online-Ausweisen selbst überzeugt sein

    Im Praxisteil konnten die Teilnehmenden das eigene Online-Ausweisen selbst erleben. buergerservice.org macht die Schritte an einem 55 Zoll großen Smartphone und an einem Bürgerterminal für alle sichtbar zum Mitmachen vor. Die einfache Installation der AusweisApp durch das Scannen eines QR-Codes, das Setzen der ersten eigenen PIN mit Hilfe des PIN-Briefes und das Suchen der NFC-Antenne am Smartphone, waren eigene Erlebnisse hierzu. Als erste konkrete Übung wurde die i-Kfz-App über QR-Codes installiert. Mit dieser App und der eID wurde dann der digitale Fahrzeugschein aus dem Fahrzeugregister abgerufen. So konnten im Rahmen der Informationsveranstaltung alle erleben, was es bedeutet, ein hoheitliches Dokument auf das eigene Smartphone zu holen und rechtsgültig deutschlandweit vorzeigen zu können. An dieser Stelle wurde darauf hingewiesen, dass als nächstes hoheitliches Dokument der Führerschein noch in diesem Jahr auf die gleiche Art und Weise in die i-Kfz-App eingebunden werden kann. Dass die EUDI-Wallet derartige Funktionen mit diesen und weiteren Dokumenten, inkl. dem Personalausweis, europaweit verfügbar macht, war für alle Anwesenden an diesem Punkt leicht nachvollziehbar.

    So ging es im Praxisteil weiter mit der BundID. Zunächst wurde die Registrierung zur BundID vorgeführt und auch hier zum Mitmachen eingeladen. Im Anschluss wurde das Zusammenspiel der BundID mit Anwendungen wie der elektronischen Wohnsitzanmeldung, der Kfz-Zulassung und der Punkteauskunft in Flensburg demonstriert. Da die BundID mit der EUDI-Wallet zusammenarbeiten wird, ist es sinnvoll auch ohne einen konkreten Anlass die BundID vorbereitend zu registrieren.

    Der Praxisteil mit der ersten Übung zum digitalen Fahrzeugschein ermöglicht nahezu allen Teilnehmenden einen persönlichen Vorteil im privaten Umfeld. Selbst wenn man nicht selbst der Halter eines Kfz ist, konnte man im Rahmen der eID-Roadshow lernen, wie man als Fahrer den Halter von den Vorteilen des digitalen Fahrzeugscheins überzeugen kann. So entsteht bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Bürgerämtern eine Motivation, sich mit den Werkzeugen und Vorgehensmodellen zum Beseitigen der oben beschriebenen Hürden auseinanderzusetzen.


  • Durch Einsatz der eigenen Bordmittel im Bürgeramt den Bürgerservice zur EUDI-Wallet anbieten
    Durch Einsatz der eigenen Bordmittel in den Bürgerämtern können viele Maßnahmen zum Abmildern der Hürden direkt nach der Informationsveranstaltung zum Einsatz gebracht werden. buergerservice.org hat hierfür mit den Mitgliedskommunen in den vergangenen Monaten zielgerichtete Werkzeuge und Vorgehensmodelle erarbeitet und verprobt:
  • Plakat: buergerservice.org e.V.
    • Vorgehensmodell “Einfach mit eID

      buergerservice.org hat QR-Code-Plakate entwickelt und stellt diese auf einer Projektseite allen Interessenten zur Nachnutzung zur Verfügung: https://www.buergerservice.org/projekte/einfach-mit-eid/


    • Vorgehensmodell “BundID2Go

      Bei diesem Modell trägt die Kommune das Registrieren zur BundID aktiv an die Stadtgesellschaft heran. Zum einen eignen sie wieder Plakate mit QR-Codes, zum anderen kann man hierzu auch Bürgerterminals im Bürgeramt zum Einsatz bringen.


    • Werkzeug “Bürgerterminal

      Damit sich Bürgerinnen und Bürger vom Nutzen des neuen Personalausweises selbst überzeugen können, sollten Dienste auch direkt vor Ort gezeigt und geschult werden. Bürgerinnen und Bürger können damit z.B. beim Abholen des neuen Personalausweises, in E-Government-Sprechstunden, am Arbeitsplatz eines Behördenmitarbeiters, oder sogar in einem Einkaufszentrum, einem Lottoladen oder einem Autohaus erfahren, welche Dienste zur Verfügung stehen und wie der Einsatz des neuen Personalausweises funktioniert und für besonders wertige Online-Dienste genutzt werden kann.


    • Vorgehensmodell “Flotte PIN
      Foto: buergerservice.org e.V.

      Mit diesem Modell können Bürgerinnen und Bürger in verschiedenen Situationen eine nicht (nicht mehr) vorhandene PIN zum Personalausweis erhalten. Im Einzelnen sind hierzu drei Varianten ausgearbeitet worden: Flotte PIN als Zugabe, Flotte PIN im Vorbeigehen und Flotte PIN geht auf Dienstreise. Das Modell Flotte PIN als Zugabe kann im Rahmen eines gerade erfolgten vor Ort-Termins im Bürgeramt schnell mit dieser Frage erledigt werden: “ Wissen Sie, wo Sie den PIN-Brief zu Ihrem ePerso abgeheftet haben?". Lautet die Anwort Nein, so kann man der Bürgerin oder dem Bürger das Neusetzen der PIN proaktiv im Amt anbieten. Bei der zweiten Variante ermöglicht man das spontane Neusetzen einer eID-PIN direkt in der Nähe des Eingangsbereichs eines Rathauses. Zur Umsetzung der dritten Variante hat buergerservice.org gemeinsam mit den Mitgliedern Bezirksamt Reinickendorf von Berlin, Stadt Augsburg, HSH und Bundesdruckerei den Flotte PIN-Koffer entwickelt. Ein Flotte PIN-Koffer wurde der Landeshauptstadt Dresden für vielfältige Einsätze im Rahmen der Aufgaben als EUDI-Wallet-Pilotkommune von buergerservice.org übergeben.


Das Feedback aus der Veranstaltung war durchweg positiv. Die vielfältigen Redebeiträge in Form von Fragen und Hinweisen aus den Reihen der Teilnehmenden haben die halbtägige Veranstaltung sehr lebendig und kurzweilig erscheinen lassen. buergerservice.org ist der festen Überzeugung, dass für einen erfolgreichen Start der EUDI-Wallet derartige Veranstaltungen zunächst für die Mitarbeitenden in den Bürgerämtern und mit wenig Verzögerung für alle Bürgerinnen und Bürger (in angepasster Form) sehr wichtig sind.

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